Übergabebuch Mädchengruppe 2 Jugendwerkhof Gebesee

Materialien III: TANZVERBOT LAUT FUNKTIONÄRSBERATUNG

ISBN: 978-3-9819919-8-7
Format: 200 x 298 mm
Umfang: 105 Seiten
19,90 €

Beschreibung

Der Satz „Ich werde immer an den Werkhof denken“ steht in einem Brief, der aus heutiger Sicht die geradezu widerwärtige Einforderung von Unterwerfungsgesten abbildet: „Ich bedanke mich bei allen Erziehern und Lehrausbilder und Lehrer in diesem Werkhof für ihre Bemühung und Erziehung um mich. Ich werde meiner Arbeit jeden Tag nachgehen. Ich werde immer an den Werkhof denken.“ Er ist aber auch bittere Realität für viele der Menschen, die einen Teil ihrer Jugend im Jugendwerkhof verbrachten.

Das Unmittelbare, das Sinnliche in der Kommunikation, Tonfärbung, Lautstärke zwischen Erzieherinnen, Erziehern und den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen sind in aller Regel verloren.

Das sogenannte Übergabebuch der Mädchengruppe 2 des Jugendwerkhofes Gebesee, das zwischen 16. August 1987 und 1. September 1989 geführt wurde, stellt einen Glücksfall dar: Es ist die verschriftlichte Kommunikation der Erzieherinnen untereinander, die Mitteilungen, die sie über die von ihnen zu betreuenden weiblichen Jugendlichen für den Arbeitsgebrauch machten.

Der Alltag im Werkhof, seine Banalität, die Ausnutzung der Mädchen als Arbeitskräfte, das System von demütigenden Strafen, der „Selbsterziehung“ mit Hilfe der „Funktionäre“. Diese standen in der Hierarchie zwischen Erzieherinnen und „normalen“ Zöglingen. Sie wurden willkürlich ausgewechselt, durften oder sollten temporär selbst Macht ausüben. Dies äußert sich beispielsweise in der „Erfindung“ kleinlicher Verbote als Bestrafung.

Weitere Bücher aus dieser Reihe

Materialien I: Kontrolle – keine Vorkommnisse

Materialien II: Geduscht Delitexbehandelt Eingekleidet Isoliert

Weitere Bücher

Letzte Briefe

„Ich habe die Angst besiegt“, die neunfache Selbstbeschwörung beschloss den Band 1 der edition H: ICH; GISELA SCHUBERT. Es war eine Illusion; die Angst kehrte zurück; nichtsdestoweniger gewinnen in den letzten Monaten ihres Lebens die schriftlichen Äußerungen der Gisela Schubert, eine bis dahin nicht bekannte dialogische Dimension. Briefe, adressierte Mitteilungen auf Einzelblättern, Zetteln: noch einmal handelt sie gegenüber den wenigen Menschen, mit denen sie noch Kontakt hatte, auf einzigartige Weise ihre Themen ab: die Heimgeschichte, die Entwurzelung, die Einsamkeit, ihre Krankheit, die Lichtblicke des Gebrauchtwerdens.

Republikflucht im schweren Fall

Auch für die Autorin dieses Bandes wird das Durchgangsheim Schmiedefeld zur entscheidenden Erfahrung von Ohnmacht und Entwürdigung. Mit ihrem Freund wird sie unter dem Vorwurf, illegal die DDR verlassen zu wollen, aufgegriffen und von der Polizei nach Schmiedefeld gebracht.

Mein Leben und ich

Der Text von Kerstin Kratzenberger ist ein Dokument des Scheiterns des für sie zuständigen Referates Jugendhilfe/Heimerziehung. Gewalttätigkeiten und sexuelle Übergriffe führen zu keinem dauerhaften Schutz; nach Heimaufenthalten wird immer wieder die Rückkehr in die Familie angeordnet.

Leise schreien

Die Autorin hat in Texten und Gedichten ihre Sprache gefunden, für das was ihr geschehen ist. Es ist, wie auch der Band B von Simone Piorek die andere Sicht auf die Isolierung. Sie bestätigt die in Arrest- und Isolierbuch (vgl. Materialien I und II) spürbare Kälte und spricht gleichzeitig den Gegenentwurf aus. Diese Sicht ist die Stimme gegen die Formel.

Ich; Gisela Schubert

Zunächst in Bildern, die Unbekümmertheit und Regellosigkeit von Kinderzeich-nungen mit der Wucht wieder und wieder hereinbrechender traumatischer Erinnerungen vereinen, später in Texten, die eine Sprache aus dem Innenraum des Traumas wie selbstverständlich finden, hat Gisela Schubert, wie sie sich jetzt (wieder) nennt, ihren Ausdruck gefunden, Äußerungen, die aufwühlen und verstören.

Wie geht es Dir, mir geht es gut

62 Briefe sind erhalten geblieben, die Alexander Matzke an seine Mutter Gisela schrieb. Einige wenige aus einer durch die Erkrankung der Mutter bedingten Trennung, die anderen aus dem Durchgangsheim Schmiedefeld, aus dem Spezial-Kinderheim Wenigenlupnitz und aus dem Jugendwerkhof Wittenberg.

Da oben, auf dieser Burg

123 handgeschriebene Seiten sind es – vorläufig – geworden. E.B. wollte der Stadtverwaltung Heldburg mitteilen, was sie als Kind im Sonderschulheim Veste Heldburg (heute Deutsches Burgenzentrum) erdulden musste.