Der Satz „Ich werde immer an den Werkhof denken“ steht in einem Brief, der aus heutiger Sicht die geradezu widerwärtige Einforderung von Unterwerfungsgesten abbildet: „Ich bedanke mich bei allen Erziehern und Lehrausbilder und Lehrer in diesem Werkhof für ihre Bemühung und Erziehung um mich. Ich werde meiner Arbeit jeden Tag nachgehen. Ich werde immer an den Werkhof denken.“ Er ist aber auch bittere Realität für viele der Menschen, die einen Teil ihrer Jugend im Jugendwerkhof verbrachten.
Das Unmittelbare, das Sinnliche in der Kommunikation, Tonfärbung, Lautstärke zwischen Erzieherinnen, Erziehern und den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen sind in aller Regel verloren.
Das sogenannte Übergabebuch der Mädchengruppe 2 des Jugendwerkhofes Gebesee, das zwischen 16. August 1987 und 1. September 1989 geführt wurde, stellt einen Glücksfall dar: Es ist die verschriftlichte Kommunikation der Erzieherinnen untereinander, die Mitteilungen, die sie über die von ihnen zu betreuenden weiblichen Jugendlichen für den Arbeitsgebrauch machten.
Der Alltag im Werkhof, seine Banalität, die Ausnutzung der Mädchen als Arbeitskräfte, das System von demütigenden Strafen, der „Selbsterziehung“ mit Hilfe der „Funktionäre“. Diese standen in der Hierarchie zwischen Erzieherinnen und „normalen“ Zöglingen. Sie wurden willkürlich ausgewechselt, durften oder sollten temporär selbst Macht ausüben. Dies äußert sich beispielsweise in der „Erfindung“ kleinlicher Verbote als Bestrafung.